''Chau Tran''
© CHAU TRAN (QING LIAN)    ''Qing Lian''
© CHAU TRAN (QING LIAN)

CHAU TRAN, geboren 1949 in Süd-Vietnam als Sohn südchinesischer Eltern aus der Provinz Kanton, China.
Chinesischer Name Chen Ying Yi 陳英義, Künstlername QING LIAN 青濂.

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© CHAU TRAN (QING LIAN)



Die Verkündigung



Wir kommen in Sitges am späten Nachmittag an. Beim ersten Spaziergang ist es schon ungefähr zehn Uhr abends. Überall im Stadtzentrum und an der Uferpomenade ist es voller Menschen in allen Cafés, Bars und Restaurants. Die Uferpromenade ist gut beleuchtet. Die Kirche, ein Kennzeichen der Stadt Sitges, strahlt in ihrer nächtlicher Beleuchtung und dominiert die Landschaft.

Der nächste Tag ist ein Tag zum Nichtstun, wir verweilen auf dem Hotelbalkon zum Lesen, Schreiben und Musik hören. Außerdem kann ich meine neue Kamera, eine Minikamera testen, die frische Meeresluft und die Sonne genießen, und den Augen einen schönen Blick gönnen. Bei einer Reise ans Meer gehen wir oft abends am fast leeren Strand spazieren, bevor wir zu Bett gehen. Aber das Nachtleben von Sitges fängt jetzt erst an.

Nach dem Frühstück des folgenden Tages kommen wir zum Zimmer zurück und bemerken am starken Wellengang, dass es heute sehr windig ist. Außerdem ist die Luft noch dunstig und trüb. Es ist kein Wetter für einen Ausflug. Aber es dauert nicht lange, dass der Himmel trotz des Windes aufklart und wir entscheiden uns doch für einen Ausflug nach Barcelona.

Wir spazieren eine Weile im gemütlichen Tempo. Plötzlich kommt ein Lichtstrahl vom Himmel, es ist so hell, dass ich die Augen mit beiden Händen verdecken muss und die Kamera fast zu Boden gefallen wäre . . . . . . . . . . Es erscheint ein Engel mit einer Taube und verkündigt: "Frieden." Das alles passiert in ein paar Sekunden, so dass ich nicht reagieren kann.

Der Engel hinterlässt seine Anwesenheit in einer Statue und seine Stimme in meinem Gedächtnis: "Frieden" . . . . . . . Seit ich die Welt verstehen kann, höre ich mehr vom Krieg als vom Frieden. Im Vietnamkrieg wurden meine drei Brüder und ich in der Armee der Republik Süd-Vietnam eingezogen, an der Seite der USA, gegen das kommunistische Vietnam zu kämpfen. Wir überlebten nach dem Krieg aber mein jüngerer Bruder hat ein Bein verloren. Dennoch, als ob der Krieg nicht grausam genug wäre, wurden nicht nur Chinesen, Koreaner und einige Menschen anderer asiatischer Länder, sondern auch die Juden in Europa von den Japanern bzw. dem verbündeten Hitlerdeutschland fast alle vernichtet. Die Vernichtung war meisterhaft, sorgfältig, perfekt und systematisch geplant.

In China, wo die japanische Armee ankam, wurden zuerst gezielt Säuglinge und Kinder gesucht und getötet. Massen wehrloser Zivilisten und gefangener Soldaten wurden willkürlich erschossen oder lebendig begraben. An vielen Orten wurden die Menschen zusammengetrieben, als die japanische Armee ankommt. Unter Bewachung wurden Löcher ausgegraben, dann wurden die Männer bis zum Hals lebendig eingegraben und mussten langsam qualvoll sterben. Bevor die Männer starben, mussten sie mit ansehen, wie die japanischen Soldaten die Frauen und Mädchen vergewaltigten. Alte Frauen wurden sofort getötet. Noch grausamer und unmenschlicher haben die Japaner die Menschen in China bei lebendigem Leibe die Kopfhaut eingeschnitten und die Haut abgezogen. In vielen Orten wurde den Frauen nach der Vergewaltigung eine gespitzte Bambusstange in den Unterleib gesteckt und sie mussten daran qualvoll sterben. Die japanischen Soldaten hatten sich darüber amüsiert, auf die Leichen das Wort "Hure" zu schreiben und das sogar zu filmen. Alles, was in China passierte wurde nicht nur von vielen westlichen sondern auch aus Stolz von japanischen Journalisten filmisch festgehalten.

Es gab wenige alte Frauen, die ihren Tod vortäuschten, und mit ihrem letzten Atem den Nachbarort alarmierten. So wurden zufällig auch die Bewohner der Provinzstadt an der Südküste gewarnt, in dem meine Mutter lebte, als sie noch ein Kind war. Die Bewohner organisierten sofort die Flucht und die Fischer hatten schnellstmöglich die Kinder der Provinzstadt auf ihre Boote geholt, natürlich jedes Boot mit so viel Kindern wie möglich und nur zwei erwachsenen Begleitern. So entkam meine Mutter als Kind dem japanischen Massaker und später landete sie in der französischen Kolonie Vietnam. Mein Vater war auch noch ein Kind und hat auch glücklicherweise an seinem Heimatort eine Möglichkeit gehabt per Boot zu flüchten. Die zurückgebliebenen Bewohner wurden ihrem Schicksal überlassen.

Bis heute weigert sich die japanische Regierung sich bei den Opfern der grausamen Verbrechen zu entschuldigen. Entschädigungen gibt es schon garnicht. Andererseits haben die Japaner dauernd geklagt, dass sie Opfer des Krieges waren, durch die Atombomben der USA auf Hiroshima und Nagasaki. Der japanischen Logik folgend auf Europa übertragen, würde das bedeuten, dass nicht die Juden die Opfer des Krieges wären, sondern das zerbombte Hitlerdeutschland!!!!!! Ich glaube solange es Menschen gibt, gibt es immer noch Krieg und grausame Dinge passieren! Auch der gute Mensch muss wachsam auf dem Kampfplatz stehen und vor dem Bösen schützen, verteidigen . . . . . . . . Frieden! Frieden! Frieden!

Zurück zur Gegenwart. Die globalisierte Welt, die Menschen sogenannte Zivilisierte, Demokraten, Rechtsbürger, und, und, und trotzdem geht die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auf. Man denkt, dass der Krieg sehr weit weg ist, aber er ist in Wirklichkeit sehr nah. Einerseits durch die modernen Medien man ist fast jeden Tag mit Krieg beschäftigt.

Barcelona haben wir bei der letzten Reise mehrmals besucht. Wir bleiben heute in Barcelona nur bis zum frühen Nachmittag. Bei dieser Reise ist der Schwerpunkt das Stadtfest "Festa Major".

- im Jahr 2015 - Chau Tran (Qing Lian)



(Siehe auch Dokumentation/2001/Reise/Spanien)



© CHAU TRAN (QING LIAN)

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