''Chau Tran''
© CHAU TRAN (QING LIAN)    ''Qing Lian''
© CHAU TRAN (QING LIAN)

CHAU TRAN, geboren 1949 in Süd-Vietnam als Sohn südchinesischer Eltern aus der Provinz Kanton, China.
Chinesischer Name Chen Ying Yi 陳英義, Künstlername QING LIAN 青濂.

"Sichtbare Gefühle auf Papier" ®

© CHAU TRAN (QING LIAN)

Ich bin ein Chinese, meine Eltern sind vor den japanischen Kriegsverbrechen aus China geflüchtet, noch bevor die Volksrepublik China von der kommunistischen Partei Chinas gegründet wurde. Die ganzen Verwandten meiner Eltern mußten in China zurückbleiben, weil eine Auswanderung nicht mehr möglich war. Meine Familie hat unsere Traditionen und Lebensweisheiten, unsere ursprüngliche Lebensphilosophie noch bewahrt, wie es die meisten Chinesen im Ausland tun.
Als ich 14 Jahre alt war hat mein Vater mich zu chinesischen Malerei- und Kalligraphiemeistern geschickt, damit ich die chinesische Malerei und Kalligraphie studieren konnte. Der Grund dafür war der Besuch bei einer chinesischen Tusche-Malerei-Ausstellung, nach der ich im Alter von 9 Jahren den Pinsel nicht mehr aus der Hand gelegt habe. Weil mein Vater geschäftlich viel unterwegs war, konnte ich zu Meistern und Professoren in Asien reisen und studieren. Danach besuchte ich die Kunstakademie, wo ich mich auch mit der europäischen Malkunst und Kunstgeschichte beschäftigte. Im Anschluß daran lehrte ich als Dozent.
Für mich hat die chinesische Malerei Leichtigkeit, Harmonie aber auch Schwung, Konzentration aber auch Entspannung, sie liegt zwischen Realität und Traum, sie ist die Verbindung zwischen der Innen- und der Außenwelt, sie ist spontan, soll aber auch perfekt sein, sie ist ein Mittel zum Ausdruck meiner Gefühle.

"Ich male nicht, ich spiele mit meinen Gefühlen. Die Gefühle haben keine begreifbare Form, sie sind das 'Nichts'. Wenn ich das 'Nichts' erreichen kann werde ich glücklich! Im 'Nichts' ist Lebensfreude."

‘Nichts’ ist hier die Selbstbefreiung von den negative Gefühlen. Malen ist für mich nie eine Arbeit, sondern das Versinken im ‘Nichts’, Meditation. Die Vorbereitung von Farben und Papier ist der Weg. Sowohl früher in meiner traditionellen Phase, als auch in meiner heutigen modernen Phase, mache ich keine Skizzen, sondern gestalte die Bilder in Gedanken. Ich rufe die Bilder aus der Erinnerung, verbinde sie mit meiner innerlichen Stimmung und den zahlreichen Naturstudien von Landschaften, Menschen und Pflanzen, die schon in meinem Gedächtnis sind. Diese Malweise entsteht dadurch, daß ich sehr mit der Natur verbunden bin, gerne reise, die Natur beobachte und betrachte und ihren Charakter, ihre Einzigartigkeit studiere. Ich fühle mich berührt und überzeugt und dieses Gefühl halte ich irgendwann in Verbindung mit der momentanen Stimmung auf Papier fest.

"Stimmung und Charakter der Natur sind so wichtig wie die Seele und der Geist in mir, sowie Gleichgewicht und Harmonie zwischen mir und den Bildern, Gleichgewicht und Harmonie in jedem Bild."

Die Entwicklung von traditionellen zu modernen und abstrakten kalligraphischen Bildern ist mein eigener Lebensweg. Durch die Zeit haben sich sowohl meine Gefühle und innerliche Welt als auch die Natur in ihrem Kreislauf geändert. Was bleibt ist meine Sehnsucht danach, daß Mensch und Natur in Gleichklang leben.
Der intellektuelle, traditionelle chinesische Malerei- und Kalligraphie-Stil ( es gibt mehrere Stilrichtungen in der chinesischen Malerei) ist für mich eine gute Möglichkeit meine innerliche Stimmung auszudrücken.
Auf meinem Weg zum eigenen Stil hat mich die Entwicklung zur innerlichen Besinnung geführt und mir ist jetzt klar, daß das Gefühl wichtiger als der Verstand ist. Aus diesem Gefühl heraus entwickelte ich nach eigenem Empfinden meine Farbsymbolik:
  • Die Farbe Schwarz, die Farbe der chinesischen natürlichen schwarzen Tusche, überträgt die innerliche Kraft, bringt den Geist in der Kalligraphie zum Ausdruck, zeigt den Willen, körperliche und seelische Kraft um Hoffnung zu schöpfen.
  • Die Farbe Rot zeigt sich jetzt als Glück
  • Blau verkörpert die Hoffnung - mit der Farbe Blau, dem Türkisblau des Meeres, dem Azurblau des Himmels wurde bei mir schon immer die Hoffnung erweckt.
  • Grün ist aktiv- ein Kreislauf der innerlichen Bewegung, in Harmonie mit dem Kreislauf der Natur
  • Gelb ist die Empfindung der Heiterkeit
  • Lila/Violett bedeutet für mich Romantik
  • Weiß ist das 'Nichts' - die Selbstbefreiung, Lebensfreude durch sorglose Leere.
Die chinesischen Schriftzeichen in meinen kalligraphischen Bildern sind Worte und Details von Worten von eigenen oder berühmten Gedichten oder Erzählungen oder Momentbeschreibungen der Gefühle. Diese werden ausgesucht und im Bild nach ihrer Form und Bedeutung in meinem eigenen Kalligraphie-Stil geschrieben.
Die verschiedenen Größen und Farbtöne der Farbpunkte in meinen Bildern stellen Musiktöne von verschiedenen Musikinstrumenten dar und stehen gleichzeitig symbolisch für die Zeit, denn die Natur ist eine unendliche Komposition.
Im Sinne der Verbindung mit der Natur sollen die modernen und die kalligraphischen Werke nicht wie die traditionellen Bilder fest, gerade und glatt auf eine Unterlage aufgezogen werden. Ihre rauhe und wellige Oberfläche soll in Verbindung mit dem einfallenden Licht weitere Nuancen, Konturen und Farbwerte bilden. Der weiße Farbton auf weißem Papier soll in bestimmten Lichtverhältnissen dem Betrachter sichtbar begegnen. Die Farbsymbolik nach meinem eigenen Empfinden soll die Welt der Gefühle des Betrachters erwecken. Durch mein Gefühl der Befreiung von den schlechten Seiten der alten, chinesischen Zeit ( das Leben fest in Regeln gerahmt, was zu Unrecht und Negativem führte), obwohl ich selbst nicht betroffen war, werden meine modernen und kalligraphischen Bilder mit einem Rand in einer freilaufenden Form in zum Teil außergewöhnlichen Formaten gestaltet.
Ich male auf chinesischem, handgeschöpftem Papier; dieses Papier wird von der Naturfarbe vollkommen durchdrungen und für immer festgehalten. Die Farben sind aus Mineralien, Kiefernruß, Pflanzen oder Gesteinsholz. Diese Künstlerfarbe hat eine tausende Jahre alte Tradition und wurde immer weiter entwickelt. Die Leuchtkraft dieser Farben kann noch in vielen alten Wandmalereien auf der Seidenstraße in China bewundert werden. Die Vorbereitung der Farben dauert stundenlang und ist für mich eine Zeremonie. Während dieser Zeremonie entsteht ein Bild in meinen Gedanken, das ich mit der Stimmung meiner Gefühle auf Papier ‘sichtbar’ zum Ausdruck bringe.

© CHAU TRAN (QING LIAN)

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